Güntersleben heute


Silvester in Güntersleben


Bis in die jüngere Vergangenheit entspricht die Entwicklung Günterslebens der eines Dorfes, das seinen überwiegend von der Landwirtschaft lebenden Bewohnern nur ein bescheidenes Auskommen bieten konnte und eher abseits des Geschehens lag. Die eigenen Kräfte waren begrenzt, auch von außen interessierte sich kaum jemand für das Dorf. Bis 1939 war die Einwohnerzahl auf gerade 1500 angewachsen.

 
Erstmals brachten die Auswirkungen des 2. Weltkrieges mit dem Zuzug von Flüchtlingen und Evakuierten, die sich hier sesshaft machten, größere Veränderungen. Die Einwohnerzahl stieg nach dem Krieg auf knapp 2000. Für das Dorf, in dem bis dahin die Menschen durch Herkunft, Abstammung und gleiche Religion eng miteinander verbunden waren, war dies eine neue Situation.
Fast schien es, als wäre damit für die fernere Zukunft der äußere Rahmen von Güntersleben vorgegeben, denn bis etwa 1965 blieb die Einwohnerzahl praktisch unverändert auf dem gleichen Stand. Die Bevölkerungsbewegung hielt sich in engen Grenzen. Dann allerdings setzte eine bis heute fortdauernde Entwicklung ein, die unter völlig veränderten Vorzeichen steht: Als Gemeinde im Vorfeld der Großstadt Würzburg spürte die Gemeinde die damals verstärkt einsetzende sogenannte Stadtflucht. Durch die Anbindung an das Nahverkehrsnetz von Würzburg und die private Motorisierung schmolzen die Entfernungen zusammen. Die gleichzeitig in Güntersleben durchgeführte Flurbereinigung schaffte große Baulandreserven. Dies eröffnete seither vielen die Möglichkeit, auf dem Land zu leben und gleichzeitig in der nahen Stadt zur Arbeit zu gehen, die Kinder auf weiterführende Schulen zu schicken und all die weiteren Angebote zu nutzen, die die Großstadt vor der Haustüre zu bieten hat. Folge davon ist ein ständig gestiegener Zuzug von außen nach Güntersleben, der bis heute zu mehr als einer Verdoppelung der Einwohnerzahl auf inzwischen über 4400 Bewohner geführt hat.
 
Von einem früher landwirtschaftlich geprägten Dorf ist Güntersleben zu einer Wohngemeinde geworden, deren Bewohner beruflich ganz überwiegend nach Würzburg ausgerichtet sind. Die fast 1000 Hektar große landwirtschaftliche Nutzfläche wird heute nur noch von einem hauptberuflich geführten Betriebe und einigen Nebenerwerbslandwirten bewirtschaftet. An Bedeutung gewonnen hat in den letzten Jahren wieder der Weinbau mit heute etwa 17 ha Rebfläche. Für die etwa drei Dutzend Winzer ist dies aber auch lediglich Zu- oder Nebenerwerb.
 
Güntersleben ist heute eine typische Pendlergemeinde. Da am Ort selbst nicht so viele Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, verlassen täglich mehr als 1500 Berufstätige die Gemeinde, um bevorzugt in Würzburg in Handwerks- und Industriebetrieben, im privaten Dienstleistungsgewerbe oder in den verschiedenen Bereichen des öffentlichen Dienstes ihrem Erwerb nachzugehen. Dazu kommen noch etwa 325 Schüler weiterführender Schulen und Auszubildende, die ihre Ausbildungsstätten in Würzburg aufsuchen.
 
Neben der inneren Struktur hat sich auch das äußere Erscheinungsbild von Güntersleben durch die rege private und öffentliche Bautätigkeit verändert. Mit den Neubaugebieten hat sich der Ort aus dem Talkessel heraus auf die umliegenden Hänge ausgedehnt. Wenn dabei gleichwohl der Dorfcharakter weitgehend erhalten blieb, so ist das in erster Linie darauf zurückzuführen, dass eine allzu dichte Bebauung vermieden und eine dem vorhandenen Baubestand angepasste Siedlungsform gewahrt wurden. Der vorherrschende Bautyp auch in den Neubaugebieten ist das Eigenheim als Ein- und Zweifamilienhaus. Mehrfamilienhäuser sind selten, große vielstöckige Wohnblocks gibt es nicht.
 
Güntersleben verfügt heute im wesentlichen über alle Einrichtungen der Infrastruktur, die von den Bewohnern einer Gemeinde dieser Größe erwartet werden dürfen. Als eine der ersten in Bayern baute die Gemeinde schon 1950/1951 eine neue Schule, die nach zweimaliger Erweiterung heute als Grundschule bis zur 4. Jahrgangsstufe geführt wird. Die höheren Klassen der Hauptschule sind seit 1969 in die Verbandsschule nach Veitshöchheim verlagert. Durch zwei gemeindliche Kindergärten —der eine 1954 gebaut und inzwischen mehrmals erweitert, der andere 1994 in Betrieb genommen — ist für jedes Kind ab dem 3. Lebensjahr ein Betreuungsplatz garantiert. 1970 wurde mit dem Bau der großzügigen Sportanlage begonnen, bestehend aus Freisportplätzen mit 400 m — Bahn, der Sporthalle mit Vereinsheim und Tennishallen und —freiplätzen. Neben weiterer Einrichtungen steht den Vereinen für ihre Veranstaltungen die 1971 gebaute und 1984 umgestaltete Festhalle der Gemeinde zur Verfügung. Weiterhin gibt es ein gut ausgebautes Pfarrzentrum mit dem 1981/1982 erneuertem Kolpinghaus. Die Feuerwehr konnte 1983 ein Gebäude mit den erforderlichen Geräte- und Schulungsräumen in Dienst nehmen. Da auch hier der Platz nicht mehr ausreichte, wurde 2002 eine neues Gebäude gegenüber errichtet. Schließlich verfügt auch die Gemeindeverwaltung selbst seit 1978 mit dem neuen Rathaus über angemessene Arbeitsräume. Anfang des Jahres 1997 wurde der Umbau des früheren landwirtschaftlichen Lagerhauses abgeschlossen. Seit dieser Zeit hat die Gemeinde einen weiteren kulturellen Mittelpunkt mit einer öffentlichen Bücherei, einem Jugendtreff und Räumen für Vereine, Volkshochschule, Chöre und Musik.
 
Mit der Einweihung eines neuen Bauhofes am Mühlweg im Jahr 2005 wurde auch für die Mitarbeiter des Bauhofes die Grundlagen für gute Arbeitsbedingungen für die nächsten Jahrzehnte geschaffen.
 
Im Sommer 2007 konnte die Gemeinde ihren Freizeitwert erheblich steigern. Mit dem Dürrbachpark am Sportgelände wurde ein Areal geschaffen, welches die Bürger zum Verweilen unter dem Motto Wasser_erLeben einlädt. Ein großer Kinder- und Wasserspielplatz, ein Beachvolleyballplatz und die Minigolfanlage mit Biergarten ergänzen das Angebot.
 
Für eine Gemeinde in der Größenordnung Günterslebens, in der auch eine hohe Fluktuation von Zu- und Wegzügen gegeben ist und in der ein großer Teil der Bevölkerung seiner beruflichen Tätigkeit außerhalb des Ortes nachgeht, ist ein aktives Gemeinschaftsleben wichtig. Hier liegt eine wesentliche Aufgabenstellung unserer zahlreichen Vereine, die mit ihren vielfältigen Aktivitäten und ihrer Offenheit gegenüber neu hinzukommenden Bürgern dazu beitragen, dass eine lebendige Dorfgemeinschaft besteht, in die sich jeder einbringen kann.
 
Güntersleben hat trotz aller tiefgreifenden Veränderungen in seiner inneren Struktur und in seinem äußeren Erscheinungsbild seinen dörflichen Charakter bisher erhalten können. Es muss eine Aufgabe sein, dafür zu sorgen, dass es auch in seiner weiteren Entwicklung etwas bewahren kann vom unverwechselbaren Gesicht eines Dorfes, in dem Tradition und Fortschritt gleichermaßen ihren Platz haben.
Letzte Änderung: 17.02.2016 16:25 Uhr